Tag 6-Oslo

Heute gehen erkunden wir auf eigene Faust Oslo. Bei -8 Grad sind wir gut eingepackt. Gott-sei-Dank ist es windstill und fühlt sich daher nicht ganz so kalt an. Wir lösen ein Ticket für den Hop on-Hop off- Bus und fahren -über Kopfhörer mit Infos versorgt- bis zum Königsschloss und betrachten es bei Tag.
Der Palast ist zwar bewacht, jedoch kann man fast bis zum Tor gehen. Es fahren ständig Autos ein und aus, teilweise mit der norwegischen Flagge geschmückt. Alles wirkt sehr volksnah! Der König hat nur beratende Funktion für die Regierung, jedoch keine Handhabe. Auch hier gibt es ein wöchentliches Treffen zwischen dem Premierminister und dem König.
Dann gehen wir die Mall entlang und schauen uns die ganzen Gebäude noch einmal bei Tag an, die wir am Vortag bei Finsternis sahen. Unter anderem schauen wir uns noch einmal die Osloer Kathedrale an und werfen einen Blick hinein, auch hier eine Lutheranische Kirche.
Was aber wirklich bedrückend stimmt, ist der ‚Rosengarten‘ VOR der Kathedrale-ein Mahnmal! Das Kunstwerk ist ein Beton-Rondell mit lauter Rosen aus rostigen Metall geschmückt. Es erinnert an die zwei zusammenhängenden Anschläge von 2011 des Rechtsextremisten Anders Brevik in Oslo und einem Feriencamp nahe Oslo, bei dem 77 Menschen ums Leben kamen. Damals war der Platz vor dem Dom mit Rosen übersät und das würde Inspiration für den Künstler.
Vor dem Rathaus, das stündlich eine Melodie zum besten gibt, stehen wir auch und wenn wir uns umdrehen, können wir an den oberen Ecken zur Plaza die beiden Statuen der Inuit sehen, die von den Norwegern sehr verehrt werden. Von ihrer Lebensweise haben sie sehr viel gelernt über das (Über)Leben in den arktischen Gebieten…und da hehören nun Mal unter anderem Wal-und Robbenfang und -verarneitung dazu! Viele Menschen mockieren sich darüber, aber würden wir uns in unsere traditionellen Lebensweisen drei reden lassen? Wissen wir wirklich immer, was auf der ganzen Welt ethisch vertretbar ist? Sind wir wirklich immer berufen, unsere Meinung abzugeben? Walfleisch und -wurst ist auf dem Schiff verboten. Das ist auch gut so, denn kommerziell sollte das sicher nicht vertrieben werden, denke ich. Auch Rentier- und Elchfleisch wird hier in Norwegen gegessen. Zu bedenken ist aber, dass auch wir Rind-, Hirsch-, Reh- und Wildschwein essen. Ist das verwerflich?
Spater gehen wir noch in die Markthalle. Wir schauen uns um, was da verkauft wird. Es unterscheidet sich nicht sehr vom Essen in unseren Breiten: Pasta, Tapas, Gulaschsuppe und viel, viel Fisch! Wir essen jeder zwei Brötchen und trinken ein Bier dazu. Das kostet Schlappe 60€! 😲Ja, das Leben ist in Norwegen wirklich teuer!
Während wir so durch die Stadt marschieren, fallen uns viele Dinge auf:
- Der Nationalsport im Winter ist anscheinend Langlaufen! Wir treffen viele Menschen, die einfach mit Langlaufschiern durch die Gegend laufen Richtung nächster Bahnstation. So wie man bei uns eine Runde Laufen geht, geht man hier hält Langlaufen!
- Die nordischen Staaten sind uns punkto Umweltschutz einige Schritte voraus! Rund 2/3 der Autos sind Elektroautos, so auch die Taxis und sogar die Fährschiffe verkehren elektronisch im Fjord!
- Es gibt übrall behindertengerechte Zigänge: Lokale, wo Stufen hinauf gehen, sind mit Treppe Liften versehen und wenn es auf der Straße Stufen gibt, gibt es parallel dazu eine Auffahrtsrampe für Rollstühle.
- Am Kai entlang gibt es öffenrliche und private Schwitzhütten/Saunen. Dorthin geht man einfach nach der Arbeit, um zu entspannen. Beheizt werden diese Hütten traditionell mit Brennholz. Nach dem Saunagang schmeißen sich die Leute einfach ins eiskalte Wasser. Wenn man bei -8 Grad zusieht, friert man beim Zuschauen, obwohl man gut eingepackt ist!
- Auch bei den Baumaterialien wird auf Nachhaltigkeit gesetzt! Sehr viele Hochhäuser und öffentliche Gebäude, die neu erbaut werden, werden aus Holz gebaut, denn das ist haltbarer, billiger als Beton und darin herrscht besseres Raumklima. Die Fassaden werden oftmals begrünt, was im Sommer angeblich eine Klimaanlage ersetzen kann…..all das lässt für die Zukunft hoffen!
Danach gehen wir wieder zum Schiff zurück und erfahren, dass sie wegen des schlechten Wetters aus Sicherheitsgründen den Hafen in Kristiansand nicht ansteuern können. Damit fällt unsere geplante Wanderung durch die Landschaft Norwegens aus. SCHADE! Darauf hätte ich mich sehr gefreut. Aber Safety first: Mir ist lieber, der Kapitän trifft eine unpopuläre Entscheidung für die Sicherheit und wir kommen wieder unbeschadet im Hafen von Kiel an. Immerhin trägt er Verantwortung für ca 5000 Menschen! Stattdessen bleiben wir eine Nacht länger in Oslo liegen. Passt auch!
Am Abend dürfen wir noch an einem Champagner-Tasting teilnehmen, bei dem wir 5 verschiedene Champagners Sorten verkosten.






















































